Sie wird sterben, weil sie gehen muss. Am 13.12.2015 wird man sie zum letzen Mal als lebendiges Naturdenkmal ansehen, bewundern, bestaunen und umarmen können.
Die Wegesicherungspflicht hat Vorrang!
Man legt Hand an............ weil der Baum abgestorben ist. Ja? Ist er wirklich abgestorben?
Einen
Baum sollte
man
in Würde sterben lassen. Auch
die Himmelgeister Kastanie könnte
wichtige ökologische Funktionen efüllen
– liesse man den Dingen ihren Lauf……..
Aber
da gibt es die Wegesicherungspflicht. Ein Schild mit der Aufschrift
„Zutritt verboten“ oder „Betreten auf eigene Gefahr“ wäre
eine Möglichkeit die ca 200 Jahre alte Himmelgeister Kastanie in
Würde sterben zu lassen.
Nein.
Diesen natürlichen Tod, das langsame Abschied nehmen von dieser Welt
– es wird dem Baum verwehrt.
Die
jüngsten Herbststürme gaben ihr den Rest. Nachdem die uralte
Kastanie in der Himmelgeister Jücht Mitte November einen acht Meter
langen, starken Ast verlor, muss sie jetzt fallen - aber nicht ganz!
Von
Stefan Pucks
„Der
Astbruch war ein Signal! Wir müssen die Sicherheit der Spaziergänger
gewährleisten, weshalb der Baum jetzt abgetragen wird“, sagt
Gartenamtsleiterin Doris Törkel vor dem kahlen Geäst des über 200
Jahre alten Rekordgewächses, dass in den vergangenen beiden Jahren
immer mehr Anzeichen steigender Gebrechlichkeit offenbarteDoch
alleine die Tatsache, dass die Stadt eine Pressekonferenz anlässlich
des unvermeidbaren Sterbens einer Rosskastanie gibt, zeigt, dass mit
einer schnöden Fällung der Riesin nicht zu rechnen ist. „Ein
10-cm-Stumpf über dem Boden wie sonst schien uns hier nicht
angemessen“, so Törkel.Wie begegnet man also dem Dahinsiechen
eines behördlich ausgewiesenen Naturdenkmals? Mit Kunst! Und dabei
kurioserweise mit der Säge! Nach dem unvermeidlichen Abschneiden der
Äste (siehe Kasten) soll der Stumpf des Baumes ein Denkmal werden.
Eine Skulptur. Ein „Baumgeist“.Damit sind wir bei Andreas Vogt
vom Freundeskreis der Himmelgeister Kastanie. Der hatte mit
Mitstreitern die bereits 2006 schon einmal im Visier der Axt
befindliche „alte Dame“ gerettet, aufgepäppelt und zahlreiche
Benefiz- und Schulaktionen initiiert. Hier entstand auch die Figur
des „Baumgeistes“.Jetzt gibt Vogt zu „dass das heute für uns
kein leichter Tag ist“. Er freut sich aber auch über den
Kompromiss, der im Austausch mit ihm und seinem Team, der Stadt und
dem Vertreter der Grundstücksbesitzer, Dr. Herrmann Graf Nesselrode,
gefunden wurde. Nesselrode ist für die Arenberg-Schleiden GmbH vor
Ort. Der Herzog von Arenberg gelangte 1835 in den Besitz dieses
Landstrichs. Damals hatte die Kastanie vermutlich gerade das
Teenager-Alter erreicht.Lang ist’s her, jetzt sorgt der
Holzbildhauer Jörg Bäßler, der in Düsseldorf bereits Holzfiguren
im Wildpark und auf zahlreichen Waldspielplätzen gefertigt hat, für
ihr Vermächtnis. Er soll eine rund drei bis vier Meter hohe
„Baumgeist“-Skulptur schnitzen (siehe Kasten). Wenn denn der
Stamm die Substanz noch hergibt (Törkel: „Wir wissen noch nicht,
wie es im Innern aussieht“), soll die „Kunst am Baum“ für
zunächst vertraglich mit den Besitzen vereinbarte zehn Jahre an den
Methusalem im Jüchtgebiet erinnern.Dann wird die gegenüber vor acht
Jahren eingepflanzte junge Kastanie der Pubertät entwachsen sein -
und sich auf den langen Weg machen, vielleicht ebenfalls einmal ein
Baum-Denkmal zu werden.
(City
Anzeigenblatt Duesseldorf)
Das
ganze Vorgehen an diesem Naturdenkmal ist kein Ende mit Schrecken
sondern ein Schrecken ohne Ende. Da, wo heute noch die berühmte
Himmelgeister Kastanie steht, da fallen morgen (14.12.2015) die Äste
und am Dienstag (15.12.2015) beginnen die Kettensägearbeiten am
Baum.
Ein
Kunstwerk soll aus dem übriggebliebenen Stamm entstehen.
Bäume
sind Lebewesen!
Die
Himmelgeister Kastanie steht heute noch als Lebewesen im Düsseldorfer
Rheinbogen. Könnte sie reden – was würde sie uns alles erzählen
können. Was hat sie in 200 Jahren alles erlebt?
Morgen
ist sie nicht mehr – ein Denkmal muss her. Abruptes Ende eines 200 Jahre alten Baumen, der einfach nur sterben wollte.





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen